„God save the Queen“ am Grafenberg

Englische Favoritin Nyaleti gewinnt die German 1000 Guineas in überragendem Stil. Dritter englischer Triumph in Folge.

Der englische Galopptrainer Mark Johnston zählt zu den erfolgreichsten seiner Zunft. Im englischen Middleham trainiert der Globetrotter in Sachen Turf 237 Pferde. Ein Mammut-Unternehmen. Am Sonntag hat sich der Erfolgstrainer seinen zweiten deutschen Klassiker geholt, diesmal mit der 33:10 Favoritin Nyaleti in den mit 125.000 Euro Preisgeld dotierten 98. Wempe 1000 Guineas, dem ersten deutschen Stutenklassiker der Turfsaison. Unter dem Iren Joe Fanning (47) ließ die Siegerin der deutschen Stutenelite nach 1.600 Metern keine Chance und siegte eindrucksvoll mit viereinhalb Längen Vorsprung. Auf den Plätzen ging es dann enger zu. Malakeh (Trainer Henk Grewe, Köln; Jockey Mark Lerner) schnappte sich Rang zwei, einen kurzen Kopf dahinter endete Go Rose auf Platz drei. Alles in allem ein Ergebnis, mit dem viele Experten gerechnet hatten. Die englische Vollblutzucht ist auf Frühreife und Schnelligkeit ausgerichtet, letztendlich waren die deutschen Stuten wie in den vergangenen zwei Jahren chancenlos. Das Landespolizeiorchester NRW spielte anschließend die englische Nationalhymne God save the Queen zu Ehren des Siegerteams von der Insel. Und Siegjockey Joe Fanning resümierte im Interview: „Meine Stute ist im Vordertreffen mitgegangen. In der Zielgeraden konnte sie sich problemlos von den Gegnerinnen lösen. Ein schöner Tag hier in Düsseldorf“.

Ronaldo siegt auch am Grafenberg

Im Aengevelt-Preis der Immobilienwirtschaft, dotiert mit 22.500 Euro, machte der vierbeinige Ronaldo es seinem Namensvetter im Fußball gleich. In atemberaubenden Stil gewann der Scalo-Sohn unter dem französischen Jockey Marc Lerner das höchste Handicap des Tages über 2.200 Meter vor Lijian (Miguel Lopez) und Camberwell (Michael Cadeddu). Vier Baustoffhändler aus dem Saarland, Koblenz und Köln mit Namen RHBS Racing besitzen diesen Hingucker, der einst auf der Badener Jährlingsauktion 30.000 Euro gekostet hat und vom Kölner Trainer Waldemar Hickst in Weidenpesch vorbereitet wird. Der Siegtrainer: „ Ronaldo hat immer noch Reserven, so dass er auch in noch besseren Rennen eine gute Rolle könnte. Das sah schon sehr vielversprechend heute aus“. Mit dem Namen ist man schließlich zum Siegen verpflichtet.

5.000 Besucher sorgten am Sonntag auf der Galopprennbahn Grafenberg für eine stimmungsvolle Kulisse am Krönungstag der dreijährigen Stuten. Beim 4. Königsallee-Renntag erlebten unter den zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Sport auch OB Thomas Geisel und Ex Fußball-Manager Klaus Allofs im mit über 300 illustren Gästen gefüllten Teehaus einen spannenden Nachmittag. „Wir hatten eine Nachfrage wie noch nie“, resümierte Rennbahn-Geschäftsführer Günther Gudert eine sportlich wie gesellschaftlich facettenreiche Veranstaltung. Erst im finalen neunten Rennen gab es mit dem dreijährigen Hengst Aru (Jockey Stephen Hellyn) des Stalles Grafenberg auch einen Düsseldorfer Sieger zu feiern. Rennbahn-Vize Albrecht Woeste hatte allen Grund zur Freude. In neun Rennen setzte der Veranstalter 173.778 Euro um. Nach einer Pause geht es auf dem Grafenberg weiter mit Galopprennen am Sonntag, den 5. August. Im Mittelpunkt steht dann der 160. Henkel Preis der Diana, deutsches Stuten-Derby, Gr. 1, dem Höhepunkt der Düsseldorfer Turfsaison.

Bereits in der einleitenden Dreijährigenprüfung, dem SANSIBAR by Breuniger-Rennen über 2.200 Meter, lieferten sich der lange führende Ammerländer Houlding Court (Filip Minarik) und Love Supreme (Jozef Bojko) einen spannenden Endkampf bis zur Ziellinie, den Letztgenannter mit einem Kopf Vorteil für sich entscheiden konnte. Und auch Alkuin (Marc Lerner) fand mit zunehmender Distanz noch dicht an die beiden Protagonisten heran. Siegtrainer Andreas Wöhler (Gütersloh): „Love Supreme soll demnächst im Schweizer Derby antreten“, während Siegjockey Jozef Bojko konstatierte „Love Supreme hat es sich schwerer gemacht, er hätte leichter gewinnen können, aber sei es drum“. Karl „Kiki“ Trybuhl, Rennstallmanager des siegreichen Teams um Werner Krügers Erfolgsstall UNIA-Racing, nahm die Ehrenpreise mit einem Siegerlächeln entgegen.

Im ficon börsebius Cup über 1.700 Meter gab es einen überlegenen Erfolg der vierjährigen Stute Atrice aus dem Stall Fair Play von Martina Odenthal. Atrice verließ damit beim bei ihrem dritten Lebensstart die Sieglosenklasse und könnte nach diesem Eindruck noch einiges im Tank haben. Trainiert wird die als 22:10 Favoritin an den Start gekommene Canford Cliffs-Tochter in Köln Weidenpesch von Andreas Suborics. Pech hatte Jockey Rene Piechulek (Bergheim), der sich vor dem Start an der Startmaschine eine Prellung am Schienbein zuzog und alle weiteren Ritte absagen musste.

Das zweite Dreijährigen-Rennen des Tages, der ISR-Cup über 1.500 Meter, sah einen ebenfalls überlegenen Drei-Längen-Erfolg der Lord of England-Tochter Atalena (Adrie de Vries), im Training beim Kölner Championtrainer Markus Klug (Rath-Heumar). „Die Stute hat sich von zwei- auf dreijährig fein verbessert, ist auch nervlich viel ruhiger geworden. Atrice wird nach dem heutigen Eindruck ihren Weg über die Handicaps machen, davon bin ich überzeugt“.

Jahresieg Nr. 20 und damit Platz 1 im deutschen Trainer-Ranking markierte für das Lengericher Erfolgsquartier von Dr. Andreas Bolte der fünfjährige Kalatos-Sohn Ricardo (Filip Minarik) in einem denkwürdigen Viererwett-Rennen, dem Commerzbank-Cup über 2.200 Meter. Der Siegtoto zahlte 37:10 für diesen Fünf-Längen-Erfolg des im Besitz des Stalles Königsesch stehenden Rekonvaleszenten, der nach einer Spiralfraktur noch einiges nachholen sollte. Da auf den Plätzen mit Pretty Pipa, Cadmium, und Tapering durchaus Pferde einliefen, die man auf dem Zettel haben musste, überraschte die Viererwette in Höhe von sensationellen 122.638 : 10 doch sehr.

Das Zielfoto musste heran gezogen nach dem Preis der IG Königsallee (Ausgleich III, 1700 Meter), das einen kurzen Kopf-Vorteil für die dreijährige Stute Cheshmeh aus dem Darius Racing-Rennstall von Dr. Stephan Oschmann gegenüber dem nie locker lassenden Infamous Lawman (Andrasch Starke) auswies. Der Franzose Marc Lerner holte sich gleichzeitig seinen zweiten Tagestreffer. Platz drei ging an Formtrainer Dr. Andreas Bolte mit Auenwolf (Michael Cadeddu).

Auch der achtfache deutsche Jockeychampion Andrasch Starke trug sich mit dem siebenjährigen Wallach Sakima aus dem Neusser Rennstall von Axel Kleinkorres in die Siegerliste ein. Im Osteria Saitta Cup hatte sein Pferd den längstem Atem auf der 1.700 Meter-Strecke. Damit darf Starke, der mit goldener Armbinde des Führenden im deutschen Jockey-Classements unterwegs war, weiter vom neunten deutschen Championat träumen. Allerdings handelte sich der Meisterjockey bei seinem Ritt auf Mitfavorit Binti Al Nar im Hauptrennen wegen Verlassens der geraden Linie eine Zwei-Tages-Sperre ein.

(27.05.2018)